Rom, im Mai 2016

Liebe Schwestern,

vor Kurzem haben wir mit dem Hochfest Pfingsten den österlichen Festkreis beschlossen und sind wieder in den „Alltag“ des Kirchenjahres eingetreten. Bevor ich mich endgültig dem Packen meiner „Siebensachen“ widme, möchte ich Ihnen noch einmal einen Gruß und einen kleinen Bericht aus Rom senden.

Wie gewöhnlich erleben wir in der „Villa“ viel Bewegung mit Kommen und Gehen. Von Anfang des Jahres an ist die Generalatsgemeinschaft kaum einmal vollständig, immer ist mindestens eine Schwester auf Reisen. Den Anfang haben Sr. María del Rosario und ich gleich im Januar und Februar mit unserem Besuch in Deutschland gemacht, Sr. Clarentia folgt nach ihren Exerzitien noch einmal für einen kurzen Wochenendtripp zur Taufe ihres Großneffen. Sr. María de los Angeles packt ihre Koffer für einen Aufenthalt gemeinsam mit Sr. María del Rosario von Anfang März bis Anfang April in Südamerika, zunächst in Uruguay-Argentinien, wo auch ein paar Tage bei der Mutter von Sr. María del Rosario eingeplant sind.

Wie Sie vermutlich wissen, wird Sr. María del Rosario von Chile, wo sie gerade angekommen war, dringend nach Argentinien zu ihrer sterbenskranken Mutter zurückgerufen. Sie trifft sie zwar noch lebend an, sprechen kann sie nicht mehr mit ihr, aber sie ist da… Wir alle sind dankbar, dass Mutter und Tochter zu Beginn des Südamerika-Aufenthaltes wenigstens noch ein paar gute Tage miteinander verbracht haben. - Anfang April kehren Sr. María de los Angeles und Sr. María del Rosario nach Rom zurück.

Im Zusammenhang mit dem Jahr der Barmherzigkeit ist Anfang Februar für ein paar Tage der Sarkophag mit den Gebeinen von Pater Pio in der Kirche St. Laurentius vor den Mauern zur Verehrung ausgestellt. Endlose Menschenschlangen stehen zum Teil stundenlang an, um diesem Volksheiligen, der in Italien hoch verehrt wird, ihre Anliegen vorzutragen. Auch Sr. Joanne und Sr. Maria Immaculata reihen sich ein in die Schar der Wartenden. Alter und ein Krückstock helfen, dass die Beiden nicht lange zu warten brauchen…

Wie gewöhnlich nehmen einige von uns während der Fastenzeit an Besinnungstagen teil, die von den verschiedenen Sprachengruppen angeboten werden. Die englischsprachigen Ordensleute begehen ihren Besinnungstag am 13. Februar mit Impulsen aus der kontemplativen Spiritualität von Thomas Merton.

Wir deutschsprachigen Schwestern treffen uns am 5. März im Generalat der Congregatio Jesu, wo uns Pater Joe Buholzer (Weißer Vater) mit dem Thema: „Jesus begegnet Frauen“ durch den Tag führt. In beeindruckender Weise lässt er Gestalten wie die Frau am Jakobsbrunnen oder Maria von Magdala zu Wort kommen, die uns tief in die Begegnung mit Jesus hineinnehmen.

Am Samstag vor Palmsonntag machen Sr. Joanne und ich eine kleine „private“ Wallfahrt zu den Kreuzesreliquien, die Kaiserin Helena, die Mutter Konstantins, im 4. Jahrhundert aus Jerusalem mitgebracht hat und die in der Basilika „Santa Croce in Gerusalemme“ aufbewahrt werden. Es handelt sich um ein Stück des Kreuzes Jesu, einen Nagel seiner Kreuzigung und vor allem um die mehrsprachige Inschrift, die Pilatus über dem gekreuzigten Jesus Christus anbringen ließ. Der Rückweg führt uns an der „Heiligen Stiege“ vorbei. Der Überlieferung nach ist Jesus bei seinem Prozess im Haus des Pilatus über diese Treppenstufen gegangen. 326 ist die „Heilige Stiege“ ebenfalls von der heiligen Helena aus Jerusalem hierher gebracht worden. In Erinnerung an die Leiden Christi soll die Treppe nur kniend betreten werden.

Wie alljährlich in der Vorosterzeit mehren sich bei Sr. Clarentia die „Herden“ aus gebackenen „Lämmern“ und „Hasen“, die von unseren Bekannten und Freunden gerne und dankbar in Empfang genommen werden (ebenso gerne auch von uns!), Ostern aber meist nicht lange überleben“.

Auch in diesem Jahr feiern wir nur die Gründonnerstagsliturgie in der „Villa“, zu allen anderen Gottesdiensten geht wieder jede in ihre „eigene“ Kirche. Diesbezüglich haben sich mittlerweile ziemlich feste Traditionen entwickelt. Für Sr. Clarentia und mich sind es die deutschsprachigen Gottesdienste der Jesuiten an Karfreitag und zur Osternacht jeweils in Sant’Ignazio. Ebenfalls feste Tradition ist es, dass wir uns nach der Osternachtsfeier in der Küche mit Spiegeleiern und/oder Ostergebäck stärken.

Sechs Jahre sind vergangen, seit dem letzten Treffen der Koordinatorinnen unserer Assoziierten und einiger Laienvertreterinnen. Vom 18.-26. April haben wir wieder zu einem solchen Treffen in Rom eingeladen. Am Wochenende reisen Schwestern und Assoziierte aus allen Himmelsrichtungen an. Sorgen hat uns der Zwischenfall mit dem Flugzeug unserer beiden Gäste aus Uruguay-Argentinien bereitet, die schließlich am Dienstagabend – Gott sei Dank wohl behalten – in Rom ankommen. Wegen Rauch an Bord war das Flugzeug nach Fortalezza in Brasilien umgeleitet worden und musste dort auf einem für die große Maschine (sie hatten 258 Menschen an Bord) eigentlich zu kleinen Flugplatz notlanden. Das Landemanöver unter dem Schutz eines Großaufgebotes der Feuerwehr wurde sogar in den regionalen TV-Nachrichtensendungen gezeigt. – Die Organisation der Weiterreise für die vielen Fluggäste braucht Zeit, und so dauert es, wie gesagt, bis Dienstagabend, bis wir Sr. Marisol und ihre Begleiterin in Empfang nehmen können.

Sr. Marisol erzählt: Es war nicht nur Rauch, sondern tatsächlich ein Feuer im vorderen Bereich des Flugzeugs. Welche Ursache und wo genau, weiß sie nicht. Die Stewardessen seien zu ihr gekommen und hätten gefragt, ob sie betete, was sie bejaht hat. Auch jemand von den Mitreisenden habe sie später angesprochen, was sie in der kritischen Zeit gemacht hätte. Die betreffende Frau sagt von sich, sie hätte nur an ihre Kinder gedacht, an Gott oder „irgend so etwas“ glaubte sie nicht. – Busse bringen dann die vielen Passagiere in mehreren Etappen zu Hotels und am nächsten Tag nach Rio de Janeiro, wo sie auf verschiedene Fluggesellschaften verteilt werden. Unsere Beiden kommen schließlich mit Lufthansa über Frankfurt nach Rom (ursprünglich mit Iberia über Madrid geplant). Ihr Gepäck ist allerdings buchstäblich irgendwo auf der Strecke geblieben. So nehmen wir erst einmal „Augenmaß“, und schauen, womit wir aushelfen können. Für die Frau entdecken wir etwas zum Anziehen im Vorrat für unseren Weihnachtsmarkt, die „Kleiderprobe" folgt. – Die Koffer kehren schließlich am späten Mittwochabend zu ihren Besitzern zurück.

Unter der Leitung von Sr. Joanne findet sich die Gruppe der Koordinatorinnen und der Assoziierten schnell zusammen. Viel Raum nehmen das gegenseitige Kennenlernen und der Austausch über das Was und Wie in den verschiedenen Assoziierten-Gruppen in den Provinzen, Regionen und in der Philippinischen Delegation ein. Im Laufe der Tage erarbeiten die Teilnehmerinnen Empfehlungen, die dem Erweiterten Generalrat im Juni vorgelegt werden sollen.

Ein besonderes „Highlight“ ist gleich am Dienstag die Wallfahrt zur Heiligen Pforte beim Petersdom, gefolgt am Mittwoch von der Teilnahme an der Audienz mit dem Heiligen Vater. An weiteren Tagen ist Zeit eingeplant für Besuche in St. Paul vor den Mauern, in der Lateran-Basilika und in Maria Maggiore. - Für einige Teilnehmerinnen ist es der erste Aufenthalt in Rom.

Am späten Freitagnachmittag kommen einige unserer römischen „Amici“, um sich mit den Assoziierten und den Koordinatorinnen, insbesondere mit Schwester Maria Dolores zu treffen. Die römische Gruppe unterstützt seit mehreren Jahren unsere Blindenarbeit auf den Philippinen, so nimmt Sr. Maria Dolores die Gelegenheit gerne wahr, den „Amici“ zu danken und „aus erster Hand“ über den Fortgang der Blindenarbeit zu berichten.

Um beim Schwesterntag dabei zu sein, reist Sr. Cecilia am 21. April nach Paderborn zurück. Vor allem für Sr. DeSales war Sr. Cecilia mit ihren Kenntnissen, nicht nur in Bezug auf die italienische Sprache, eine wichtige Unterstützung.

Die gemeinsame Arbeit der Koordinatorinnen und der Assoziierten ist bereits am Samstag abgeschlossen, so können die Teilnehmerinnen den Montag nach eigenen Vorstellungen gestalten. In Italien ist dieser Tag, der 25. April, ein Feiertag: Italien begeht den Jahrestag der Befreiung vom Faschismus und der Besetzung durch die Nationalsozialisten, und es wird der Opfer des Zweiten Weltkriegs gedacht. Es ist ein Tag, der bei uns Deutschen gemischte Gefühle auslöst. Ich denke daran, wie oft ich auf meinem Weg „um den Block“ oder in den Metro-Stationen oder sonst wo an italienischen Soldaten vorbeikomme und wir uns gegenseitig freundlich grüßen. Wären wir in Kriegszeiten, sähe das wohl anders aus…

Reich an Eindrücken reisen Assoziierte und Koordinatorinnen, jetzt unter Leitung von Sr. Adalberta, am frühen Morgen des 26. April nach Paderborn. Die besonderen „Highlights“ dort sind die Ordensjubiläen und der Festtag Mutter Paulines, die sie im Mutterhaus miterleben und mitfeiern. Weitere Höhepunkte sind wie gewöhnlich die Besuche in Borchen und Wewelsburg und insbesondere bei Familie von Mallinckrodt in Böddeken.

Auch in Rom begehen wir mit großer Freude, jedoch mit ziemlich eingeschränkten stimmlichen Möglichkeiten, den Gedenktag Mutter Paulines. Gleichzeitig feiert an diesem Tag Sr. María del Rosario ihren Geburtstag und für Sr. Clarentia beginnt das Jubiläumsjahr in Vorbereitung auf ihr 60-jähriges Ordensjubiläum.

Für Samstag, den 21. Mai hat Sr. Maria Immaculata eine Wallfahrt mit der Pfarrei und Pater Vittore als Begleiter geplant. Sehr früh am Morgen brechen wir – außer Sr. María del Rosario und Sr. DeSales - mit rund 40 Personen im großen Bus (was sich auf den schmalen, kurvigen Straßen der Abruzzen für den Busfahrer als schwierig und anstrengend erweist) nach Manopello auf, einer kleinen Abruzzen-Gemeinde zum „Santo Volto“, dem „Heiligen Antlitz“. Dabei handelt es sich um eine Stoff-Ikone mit dem Antlitz Jesu, das von vielen als das Schweißtuch der Veronika angesehen wird. In Manopello wird das Bildnis als Reliquie verehrt.

Bei Wikipedia finde ich folgende Erläuterung (hier in kurzer Zusammenfassung): Seit dem 17. Jahrhundert in der Kapuzinerkirche Santuario del Volto Santo aufbewahrt, wird das „Heilige Antlitz“ seit den 1960er Jahren in einem doppelseitig verglasten Reliquiar über dem Altar gezeigt. Bei dem Gewebe handelt es sich vermutlich um Byssus (Muschelseide). Dieser Stoff war in der Antike und im Mittelalter einer der kostbarsten überhaupt und gilt als nicht bemalbar und nur leicht färbbar.

Der Schleier zeigt das Gesicht eines Mannes mit langen Haaren, Bart, geöffneten Augen und leicht geöffnetem Mund. Auf dem Gesicht sind rötliche Flecken sichtbar, die als Wunden durch Folterungen oder Geißelung interpretiert werden können.

Der Kunsthistoriker Heinrich Pfeiffer ist nach zwanzigjähriger Forschung zum Schleier von Manoppello überzeugt, dass es sich bei dem Tuch um das eigentliche Sudarium bzw. das Schweißtuch der Veronika handelt, der einst wichtigsten und meistverehrten Reliquie der Christenheit. Offiziell befindet sich das seit dem Jahr 708 in Rom bezeugte Tuch in der Kapelle innerhalb des Veronika-Pfeilers im Petersdom, der über dem Grundstein der Kirche errichtet wurde. Pfeiffer kommt aufgrund ikonografischer Untersuchungen zu dem Schluss, dass das Schweißtuch der Veronika seit dem Abriss der alten Petersbasilika 1508 oder dem Sacco di Roma 1527 verschwunden und durch ein anderes Tuch ersetzt worden sei. - Nach der örtlichen Überlieferung wurde das Volto Santo bereits um 1506 von einem Unbekannten nach Manoppello gebracht, bezeugt ist es dort seit 1638, als es den Kapuzinern übergeben wurde.

Bemerkenswert ist, dass der Schleier von Manoppello wie das Grabtuch von Turin einzigartig zu sein scheint; die Kunstgeschichte kennt kein gleichartiges Bildnis. Bei Kunstlicht wirkt es wie gemalt, bei Naturlicht beinahe vollkommen transparent, bei wechselndem Lichteinfall erscheint es plastisch und lebendig. Die Farben des Schleiers changieren zwischen verschiedenen Gold-, Bronze-, Braun- und Rottönen, ähnlich wie die Farben auf einem Schmetterlingsflügel. (Soweit aus dem Artikel bei Wikipedia)

Wenn man vor dem Bildnis steht, vergisst man sehr schnell alle theoretischen Überlegungen und ist nur noch fasziniert und berührt von diesem Gesicht, diesen Augen, die einen da anschauen. Beeindruckt hat uns vor allem, wie sehr verschiedenes Licht den Ausdruck des Gesichtes verändert. Eine Ordensschwester, die in der Kirche mitarbeitet, erläutert uns sinngemäß: In diesem Santo Volto finden wir die bildliche Darstellung des Johannesevangelium und das „Vera Ikon“, das wahre Antlitz des Gottessohnes, Jesus Christus, das sich in dieser Muschelseide verewigt hat. Komm und sieh und dann entscheide dich, ob du glauben willst… Während der Messe, die Pater Vittore mit uns feiert, haben wir das „Santo Volto“ weiter vor Augen.

Nach einem vorzüglichen Mittagessen in einem Agroturismo-Gasthaus machen wir einen Abstecher nach Sulmona, der Konfettistadt. Wer als Nichtitaliener das Wort „Confetti“ hört, denkt zumeist an die kleinen bunten Schnipsel, die beim Lochen von Papier entstehen. In Sulmona entstehen Confetti als kleine Süßigkeiten aus einer Mandel, die mit Schokolade und einer weißen oder farbigen Zuckerglasur umgeben sind. Diese „Dragees“ werden entweder als Einzelstücke aufwändig in Tüll verpackt und verziert, zu kleineren oder größeren „Margeriten-“, „Sonnenblumen-“, vielfarbigen Blumenbouquets oder als „Weintrauben“, „Schmetterlinge“, „Taufengel“ oder sonst wie phantasievoll arrangiert. So sehen wir sie in vielen Auslagen der Geschäfte und in einer Fabrikationsstätte, wo wir beim Herrichten und Dekorieren zuschauen und im Museum auch einen Blick in die Entstehung der Confetti werfen können. Anlässe, um sich Confetti zu schenken sind vielfältig: Verlobung, Hochzeit, Kindtaufe, Prüfung … [Sr. Adalberta hat ein paar „Blumensträuße“ aus Sulmona auf unsere Website (Fotogalerie) gestellt.]

Bevor ab dem 27. Mai die Schwestern zur Erweiterten Generalratskonferenz anreisen, machen wir, das heißt die Mitglieder des Generalrats, am Nachmittag des 26. Mai eine Wallfahrt nach Mentorella, einem Marienheiligtum 1000 Meter hoch auf einem Berg, ca. 50 Kilometer von Rom entfernt. Auf dem Weg dorthin haben wir einen kurzen Halt in der Villa „San Pastore“ eingeplant, dem Sommerhaus der Germaniker. Die meisten von Ihnen kennen vermutlich das Bild von Sieger Köder: „Das Mahl der Sünder“. Der Künstler hat es 1973 vor Ort für den Speisesaal von „San Pastore“ gemalt und Personen an den Tisch gesetzt, die dort bekannt sind. Es ist ein beeindruckendes Bild, das so manche Vorstellung und Einstellung relativiert und revidiert … Nicht mehr zu definieren, wer Sünder ist und wer nicht, sondern nur dankbar zu sein, wenn man selbst zu den von Jesus Eingeladenen gehört und mit ihm Gemeinschaft haben darf. Der Schlüssel zum Verständnis der Darstellung ist das Bild im Bild: der barmherzige Vater mit seinen beiden Söhnen, dem heimgekehrten und dem daheimgebliebenen. [Im Internet gibt es einen lesenswerten Artikel, den Sieger Köder selbst geschrieben hat: Das Fest der Narren. Zur Geschichte meines Bildes „Das Mahl der Sünder“.]

Mentorella erreichen wir anschließend über immer engere und kurvenreiche Straßen. Die Geschichte des Ortes ist verbunden mit der Bekehrung des hl. Eustachius und geht bis auf das 2. Jahrhundert nach Chr. zurück. Zu Ehren des Märtyrers Eustachius errichtet Konstantin hier eine Basilika. Möglicherweise gehört Mentorella zu den ersten zwölf von Benedikt selbst gegründeten Klöstern. - Heute ist Mentorella vor allem Ziel der Gläubigen zur „Madonna delle Grazie“, der gütigen Muttergottes – deren hölzerne Statue sich seit dem 13. Jahrhundert in der Kirche hinter dem Altar befindet. Wir verbringen eine gute Zeit bei der Madonna delle Grazie und feiern mit zwei polnischen Patres, die die Wallfahrt auf dem Berg betreuen, die heilige Messe. Anschließend erkunden wir die Grotte, in der der hl. Benedikt zwei Jahre gelebt hat und genießen die weite Sicht über Berge und Städte.

Auch wenn es sicher noch viel mehr zu berichten gäbe, möchte ich schließen - mit Blick auf meinen Abschied von Rom und meinen Neubeginn in Paderborn - mit ein paar Zeilen aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse:

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Bald werden wir uns in Deutschland wiedersehen.

Mit herzlichen Grüßen und Wünschen

Ihre/Eure Sr. Angelika

Rom, im Mai 2016

Liebe Schwestern,

vor Kurzem haben wir mit dem Hochfest Pfingsten den österlichen Festkreis beschlossen und sind wieder in den „Alltag“ des Kirchenjahres eingetreten. Bevor ich mich endgültig dem Packen meiner „Siebensachen“ widme, möchte ich Ihnen noch einmal einen Gruß und einen kleinen Bericht aus Rom senden.

Wie gewöhnlich erleben wir in der „Villa“ viel Bewegung mit Kommen und Gehen. Von Anfang des Jahres an ist die Generalatsgemeinschaft kaum einmal vollständig, immer ist mindestens eine Schwester auf Reisen. Den Anfang haben Sr. María del Rosario und ich gleich im Januar und Februar mit unserem Besuch in Deutschland gemacht, Sr. Clarentia folgt nach ihren Exerzitien noch einmal für einen kurzen Wochenendtripp zur Taufe ihres Großneffen. Sr. María de los Angeles packt ihre Koffer für einen Aufenthalt gemeinsam mit Sr. María del Rosario von Anfang März bis Anfang April in Südamerika, zunächst in Uruguay-Argentinien, wo auch ein paar Tage bei der Mutter von Sr. María del Rosario eingeplant sind.

Wie Sie vermutlich wissen, wird Sr. María del Rosario von Chile, wo sie gerade angekommen war, dringend nach Argentinien zu ihrer sterbenskranken Mutter zurückgerufen. Sie trifft sie zwar noch lebend an, sprechen kann sie nicht mehr mit ihr, aber sie ist da… Wir alle sind dankbar, dass Mutter und Tochter zu Beginn des Südamerika-Aufenthaltes wenigstens noch ein paar gute Tage miteinander verbracht haben. - Anfang April kehren Sr. María de los Angeles und Sr. María del Rosario nach Rom zurück.

Im Zusammenhang mit dem Jahr der Barmherzigkeit ist Anfang Februar für ein paar Tage der Sarkophag mit den Gebeinen von Pater Pio in der Kirche St. Laurentius vor den Mauern zur Verehrung ausgestellt. Endlose Menschenschlangen stehen zum Teil stundenlang an, um diesem Volksheiligen, der in Italien hoch verehrt wird, ihre Anliegen vorzutragen. Auch Sr. Joanne und Sr. Maria Immaculata reihen sich ein in die Schar der Wartenden. Alter und ein Krückstock helfen, dass die Beiden nicht lange zu warten brauchen…

Wie gewöhnlich nehmen einige von uns während der Fastenzeit an Besinnungstagen teil, die von den verschiedenen Sprachengruppen angeboten werden. Die englischsprachigen Ordensleute begehen ihren Besinnungstag am 13. Februar mit Impulsen aus der kontemplativen Spiritualität von Thomas Merton.

Wir deutschsprachigen Schwestern treffen uns am 5. März im Generalat der Congregatio Jesu, wo uns Pater Joe Buholzer (Weißer Vater) mit dem Thema: „Jesus begegnet Frauen“ durch den Tag führt. In beeindruckender Weise lässt er Gestalten wie die Frau am Jakobsbrunnen oder Maria von Magdala zu Wort kommen, die uns tief in die Begegnung mit Jesus hineinnehmen.

Am Samstag vor Palmsonntag machen Sr. Joanne und ich eine kleine „private“ Wallfahrt zu den Kreuzesreliquien, die Kaiserin Helena, die Mutter Konstantins, im 4. Jahrhundert aus Jerusalem mitgebracht hat und die in der Basilika „Santa Croce in Gerusalemme“ aufbewahrt werden. Es handelt sich um ein Stück des Kreuzes Jesu, einen Nagel seiner Kreuzigung und vor allem um die mehrsprachige Inschrift, die Pilatus über dem gekreuzigten Jesus Christus anbringen ließ. Der Rückweg führt uns an der „Heiligen Stiege“ vorbei. Der Überlieferung nach ist Jesus bei seinem Prozess im Haus des Pilatus über diese Treppenstufen gegangen. 326 ist die „Heilige Stiege“ ebenfalls von der heiligen Helena aus Jerusalem hierher gebracht worden. In Erinnerung an die Leiden Christi soll die Treppe nur kniend betreten werden.

Wie alljährlich in der Vorosterzeit mehren sich bei Sr. Clarentia die „Herden“ aus gebackenen „Lämmern“ und „Hasen“, die von unseren Bekannten und Freunden gerne und dankbar in Empfang genommen werden (ebenso gerne auch von uns!), Ostern aber meist nicht lange überleben“.

Auch in diesem Jahr feiern wir nur die Gründonnerstagsliturgie in der „Villa“, zu allen anderen Gottesdiensten geht wieder jede in ihre „eigene“ Kirche. Diesbezüglich haben sich mittlerweile ziemlich feste Traditionen entwickelt. Für Sr. Clarentia und mich sind es die deutschsprachigen Gottesdienste der Jesuiten an Karfreitag und zur Osternacht jeweils in Sant’Ignazio. Ebenfalls feste Tradition ist es, dass wir uns nach der Osternachtsfeier in der Küche mit Spiegeleiern und/oder Ostergebäck stärken.

Sechs Jahre sind vergangen, seit dem letzten Treffen der Koordinatorinnen unserer Assoziierten und einiger Laienvertreterinnen. Vom 18.-26. April haben wir wieder zu einem solchen Treffen in Rom eingeladen. Am Wochenende reisen Schwestern und Assoziierte aus allen Himmelsrichtungen an. Sorgen hat uns der Zwischenfall mit dem Flugzeug unserer beiden Gäste aus Uruguay-Argentinien bereitet, die schließlich am Dienstagabend – Gott sei Dank wohl behalten – in Rom ankommen. Wegen Rauch an Bord war das Flugzeug nach Fortalezza in Brasilien umgeleitet worden und musste dort auf einem für die große Maschine (sie hatten 258 Menschen an Bord) eigentlich zu kleinen Flugplatz notlanden. Das Landemanöver unter dem Schutz eines Großaufgebotes der Feuerwehr wurde sogar in den regionalen TV-Nachrichtensendungen gezeigt. – Die Organisation der Weiterreise für die vielen Fluggäste braucht Zeit, und so dauert es, wie gesagt, bis Dienstagabend, bis wir Sr. Marisol und ihre Begleiterin in Empfang nehmen können.

Sr. Marisol erzählt: Es war nicht nur Rauch, sondern tatsächlich ein Feuer im vorderen Bereich des Flugzeugs. Welche Ursache und wo genau, weiß sie nicht. Die Stewardessen seien zu ihr gekommen und hätten gefragt, ob sie betete, was sie bejaht hat. Auch jemand von den Mitreisenden habe sie später angesprochen, was sie in der kritischen Zeit gemacht hätte. Die betreffende Frau sagt von sich, sie hätte nur an ihre Kinder gedacht, an Gott oder „irgend so etwas“ glaubte sie nicht. – Busse bringen dann die vielen Passagiere in mehreren Etappen zu Hotels und am nächsten Tag nach Rio de Janeiro, wo sie auf verschiedene Fluggesellschaften verteilt werden. Unsere Beiden kommen schließlich mit Lufthansa über Frankfurt nach Rom (ursprünglich mit Iberia über Madrid geplant). Ihr Gepäck ist allerdings buchstäblich irgendwo auf der Strecke geblieben. So nehmen wir erst einmal „Augenmaß“, und schauen, womit wir aushelfen können. Für die Frau entdecken wir etwas zum Anziehen im Vorrat für unseren Weihnachtsmarkt, die „Kleiderprobe" folgt. – Die Koffer kehren schließlich am späten Mittwochabend zu ihren Besitzern zurück.

Unter der Leitung von Sr. Joanne findet sich die Gruppe der Koordinatorinnen und der Assoziierten schnell zusammen. Viel Raum nehmen das gegenseitige Kennenlernen und der Austausch über das Was und Wie in den verschiedenen Assoziierten-Gruppen in den Provinzen, Regionen und in der Philippinischen Delegation ein. Im Laufe der Tage erarbeiten die Teilnehmerinnen Empfehlungen, die dem Erweiterten Generalrat im Juni vorgelegt werden sollen.

Ein besonderes „Highlight“ ist gleich am Dienstag die Wallfahrt zur Heiligen Pforte beim Petersdom, gefolgt am Mittwoch von der Teilnahme an der Audienz mit dem Heiligen Vater. An weiteren Tagen ist Zeit eingeplant für Besuche in St. Paul vor den Mauern, in der Lateran-Basilika und in Maria Maggiore. - Für einige Teilnehmerinnen ist es der erste Aufenthalt in Rom.

Am späten Freitagnachmittag kommen einige unserer römischen „Amici“, um sich mit den Assoziierten und den Koordinatorinnen, insbesondere mit Schwester Maria Dolores zu treffen. Die römische Gruppe unterstützt seit mehreren Jahren unsere Blindenarbeit auf den Philippinen, so nimmt Sr. Maria Dolores die Gelegenheit gerne wahr, den „Amici“ zu danken und „aus erster Hand“ über den Fortgang der Blindenarbeit zu berichten.

Um beim Schwesterntag dabei zu sein, reist Sr. Cecilia am 21. April nach Paderborn zurück. Vor allem für Sr. DeSales war Sr. Cecilia mit ihren Kenntnissen, nicht nur in Bezug auf die italienische Sprache, eine wichtige Unterstützung.

Die gemeinsame Arbeit der Koordinatorinnen und der Assoziierten ist bereits am Samstag abgeschlossen, so können die Teilnehmerinnen den Montag nach eigenen Vorstellungen gestalten. In Italien ist dieser Tag, der 25. April, ein Feiertag: Italien begeht den Jahrestag der Befreiung vom Faschismus und der Besetzung durch die Nationalsozialisten, und es wird der Opfer des Zweiten Weltkriegs gedacht. Es ist ein Tag, der bei uns Deutschen gemischte Gefühle auslöst. Ich denke daran, wie oft ich auf meinem Weg „um den Block“ oder in den Metro-Stationen oder sonst wo an italienischen Soldaten vorbeikomme und wir uns gegenseitig freundlich grüßen. Wären wir in Kriegszeiten, sähe das wohl anders aus…

Reich an Eindrücken reisen Assoziierte und Koordinatorinnen, jetzt unter Leitung von Sr. Adalberta, am frühen Morgen des 26. April nach Paderborn. Die besonderen „Highlights“ dort sind die Ordensjubiläen und der Festtag Mutter Paulines, die sie im Mutterhaus miterleben und mitfeiern. Weitere Höhepunkte sind wie gewöhnlich die Besuche in Borchen und Wewelsburg und insbesondere bei Familie von Mallinckrodt in Böddeken.

Auch in Rom begehen wir mit großer Freude, jedoch mit ziemlich eingeschränkten stimmlichen Möglichkeiten, den Gedenktag Mutter Paulines. Gleichzeitig feiert an diesem Tag Sr. María del Rosario ihren Geburtstag und für Sr. Clarentia beginnt das Jubiläumsjahr in Vorbereitung auf ihr 60-jähriges Ordensjubiläum.

Für Samstag, den 21. Mai hat Sr. Maria Immaculata eine Wallfahrt mit der Pfarrei und Pater Vittore als Begleiter geplant. Sehr früh am Morgen brechen wir – außer Sr. María del Rosario und Sr. DeSales - mit rund 40 Personen im großen Bus (was sich auf den schmalen, kurvigen Straßen der Abruzzen für den Busfahrer als schwierig und anstrengend erweist) nach Manopello auf, einer kleinen Abruzzen-Gemeinde zum „Santo Volto“, dem „Heiligen Antlitz“. Dabei handelt es sich um eine Stoff-Ikone mit dem Antlitz Jesu, das von vielen als das Schweißtuch der Veronika angesehen wird. In Manopello wird das Bildnis als Reliquie verehrt.

Bei Wikipedia finde ich folgende Erläuterung (hier in kurzer Zusammenfassung): Seit dem 17. Jahrhundert in der Kapuzinerkirche Santuario del Volto Santo aufbewahrt, wird das „Heilige Antlitz“ seit den 1960er Jahren in einem doppelseitig verglasten Reliquiar über dem Altar gezeigt. Bei dem Gewebe handelt es sich vermutlich um Byssus (Muschelseide). Dieser Stoff war in der Antike und im Mittelalter einer der kostbarsten überhaupt und gilt als nicht bemalbar und nur leicht färbbar.

Der Schleier zeigt das Gesicht eines Mannes mit langen Haaren, Bart, geöffneten Augen und leicht geöffnetem Mund. Auf dem Gesicht sind rötliche Flecken sichtbar, die als Wunden durch Folterungen oder Geißelung interpretiert werden können.

Der Kunsthistoriker Heinrich Pfeiffer ist nach zwanzigjähriger Forschung zum Schleier von Manoppello überzeugt, dass es sich bei dem Tuch um das eigentliche Sudarium bzw. das Schweißtuch der Veronika handelt, der einst wichtigsten und meistverehrten Reliquie der Christenheit. Offiziell befindet sich das seit dem Jahr 708 in Rom bezeugte Tuch in der Kapelle innerhalb des Veronika-Pfeilers im Petersdom, der über dem Grundstein der Kirche errichtet wurde. Pfeiffer kommt aufgrund ikonografischer Untersuchungen zu dem Schluss, dass das Schweißtuch der Veronika seit dem Abriss der alten Petersbasilika 1508 oder dem Sacco di Roma 1527 verschwunden und durch ein anderes Tuch ersetzt worden sei. - Nach der örtlichen Überlieferung wurde das Volto Santo bereits um 1506 von einem Unbekannten nach Manoppello gebracht, bezeugt ist es dort seit 1638, als es den Kapuzinern übergeben wurde.

Bemerkenswert ist, dass der Schleier von Manoppello wie das Grabtuch von Turin einzigartig zu sein scheint; die Kunstgeschichte kennt kein gleichartiges Bildnis. Bei Kunstlicht wirkt es wie gemalt, bei Naturlicht beinahe vollkommen transparent, bei wechselndem Lichteinfall erscheint es plastisch und lebendig. Die Farben des Schleiers changieren zwischen verschiedenen Gold-, Bronze-, Braun- und Rottönen, ähnlich wie die Farben auf einem Schmetterlingsflügel. (Soweit aus dem Artikel bei Wikipedia)

Wenn man vor dem Bildnis steht, vergisst man sehr schnell alle theoretischen Überlegungen und ist nur noch fasziniert und berührt von diesem Gesicht, diesen Augen, die einen da anschauen. Beeindruckt hat uns vor allem, wie sehr verschiedenes Licht den Ausdruck des Gesichtes verändert. Eine Ordensschwester, die in der Kirche mitarbeitet, erläutert uns sinngemäß: In diesem Santo Volto finden wir die bildliche Darstellung des Johannesevangelium und das „Vera Ikon“, das wahre Antlitz des Gottessohnes, Jesus Christus, das sich in dieser Muschelseide verewigt hat. Komm und sieh und dann entscheide dich, ob du glauben willst… Während der Messe, die Pater Vittore mit uns feiert, haben wir das „Santo Volto“ weiter vor Augen.

Nach einem vorzüglichen Mittagessen in einem Agroturismo-Gasthaus machen wir einen Abstecher nach Sulmona, der Konfettistadt. Wer als Nichtitaliener das Wort „Confetti“ hört, denkt zumeist an die kleinen bunten Schnipsel, die beim Lochen von Papier entstehen. In Sulmona entstehen Confetti als kleine Süßigkeiten aus einer Mandel, die mit Schokolade und einer weißen oder farbigen Zuckerglasur umgeben sind. Diese „Dragees“ werden entweder als Einzelstücke aufwändig in Tüll verpackt und verziert, zu kleineren oder größeren „Margeriten-“, „Sonnenblumen-“, vielfarbigen Blumenbouquets oder als „Weintrauben“, „Schmetterlinge“, „Taufengel“ oder sonst wie phantasievoll arrangiert. So sehen wir sie in vielen Auslagen der Geschäfte und in einer Fabrikationsstätte, wo wir beim Herrichten und Dekorieren zuschauen und im Museum auch einen Blick in die Entstehung der Confetti werfen können. Anlässe, um sich Confetti zu schenken sind vielfältig: Verlobung, Hochzeit, Kindtaufe, Prüfung … [Sr. Adalberta hat ein paar „Blumensträuße“ aus Sulmona auf unsere Website (Fotogalerie) gestellt.]

Bevor ab dem 27. Mai die Schwestern zur Erweiterten Generalratskonferenz anreisen, machen wir, das heißt die Mitglieder des Generalrats, am Nachmittag des 26. Mai eine Wallfahrt nach Mentorella, einem Marienheiligtum 1000 Meter hoch auf einem Berg, ca. 50 Kilometer von Rom entfernt. Auf dem Weg dorthin haben wir einen kurzen Halt in der Villa „San Pastore“ eingeplant, dem Sommerhaus der Germaniker. Die meisten von Ihnen kennen vermutlich das Bild von Sieger Köder: „Das Mahl der Sünder“. Der Künstler hat es 1973 vor Ort für den Speisesaal von „San Pastore“ gemalt und Personen an den Tisch gesetzt, die dort bekannt sind. Es ist ein beeindruckendes Bild, das so manche Vorstellung und Einstellung relativiert und revidiert … Nicht mehr zu definieren, wer Sünder ist und wer nicht, sondern nur dankbar zu sein, wenn man selbst zu den von Jesus Eingeladenen gehört und mit ihm Gemeinschaft haben darf. Der Schlüssel zum Verständnis der Darstellung ist das Bild im Bild: der barmherzige Vater mit seinen beiden Söhnen, dem heimgekehrten und dem daheimgebliebenen. [Im Internet gibt es einen lesenswerten Artikel, den Sieger Köder selbst geschrieben hat: Das Fest der Narren. Zur Geschichte meines Bildes „Das Mahl der Sünder“.]

Mentorella erreichen wir anschließend über immer engere und kurvenreiche Straßen. Die Geschichte des Ortes ist verbunden mit der Bekehrung des hl. Eustachius und geht bis auf das 2. Jahrhundert nach Chr. zurück. Zu Ehren des Märtyrers Eustachius errichtet Konstantin hier eine Basilika. Möglicherweise gehört Mentorella zu den ersten zwölf von Benedikt selbst gegründeten Klöstern. - Heute ist Mentorella vor allem Ziel der Gläubigen zur „Madonna delle Grazie“, der gütigen Muttergottes – deren hölzerne Statue sich seit dem 13. Jahrhundert in der Kirche hinter dem Altar befindet. Wir verbringen eine gute Zeit bei der Madonna delle Grazie und feiern mit zwei polnischen Patres, die die Wallfahrt auf dem Berg betreuen, die heilige Messe. Anschließend erkunden wir die Grotte, in der der hl. Benedikt zwei Jahre gelebt hat und genießen die weite Sicht über Berge und Städte.

Auch wenn es sicher noch viel mehr zu berichten gäbe, möchte ich schließen - mit Blick auf meinen Abschied von Rom und meinen Neubeginn in Paderborn - mit ein paar Zeilen aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse:

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Bald werden wir uns in Deutschland wiedersehen.

Mit herzlichen Grüßen und Wünschen

Ihre/Eure Sr. Angelika

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