|
Rom, im Juli 2010
Liebe Schwestern! Ihnen allen einen herzlichen Gruß aus dem hochsommerlichen Rom! Denen, die jetzt in Ferien sind oder diese Zeit noch vor sich haben, wünsche ich gute Erholung und viel Freude. Wie Sie sich denken können, sind wir in diesen Tagen oft in Gedanken bei den Menschen, die durch die Tragödie bei der Love-Parade in Duisburg Angehörige, Freunde oder Bekannte verloren haben, aber auch bei denen, die mehr oder minder schwere Verletzungen erlitten haben und nicht zuletzt bei denen, die so unerwartet plötzlich ihr Leben lassen mussten… Mögen die Menschen Hilfe und Helfer finden, um die schrecklichen Ereignisse verarbeiten zu können. Was uns ebenfalls beschäftigt, ist das nicht absehbare Ende des Öldesasters im Golf von Mexiko mit all seinen Folgen. Als ich Ihnen das letzte Mal schrieb, standen wir noch unmittelbar unter dem Eindruck des schweren Erdbebens in Chile, das auch Häuser und Einrichtungen unserer Schwestern betroffen und große Schäden angerichtet hat. Als Ende März aus Anlass der Erweiterten Generalratskonferenzen die Provinzoberinnen bei uns waren, erfuhren wir von Schwester María de los Angeles, der chilenischen Provinzoberin, aus erster Hand viele Einzelheiten über die Auswirkungen des Bebens und der zahlreichen Nachbeben. Noch in der Osterwoche brach Schwester Adalberta nach Chile auf. Ihre vorrangige Absicht war es, mit dem Besuch der Schwestern „vor Ort“ ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Tief beeindruckt von dem Gesehenen und Erlebten kehrte Schwester Adalberta am 18. April nach Rom zurück. Ihr Bericht, der auch im Paulinenbrief abgedruckt ist und die vielen Bilder, die auf unserer Homepage eingestellt sind, lassen erahnen, mit welch zerstörerischer Gewalt die Beben gewütet haben, - auch in den Seelen der betroffenen Menschen, aber zugleich, mit welch unerschütterlicher Hoffnung die Bevölkerung den Wiederaufbau begonnen hat, soweit dies mit den vorhandenen Mitteln möglich ist. Gerade las ich, dass die Kathedrale von Concepción wiedereröffnet worden ist, obschon noch längst nicht alle Schäden beseitigt sind. Der Ortsbischof wünscht sich und den Gläubigen, dass die vollständige Wiederherstellung bis Weihnachten geschafft sei. Was in unseren Breitengraden kaum jemand ahnt ist die Tatsache, dass die Erde in Chile bis heute immer wieder bebt, manchmal durchaus sehr heftig. Für die Menschen bedeutet das, dass sie fortwährend an die verheerenden Beben vom 27. Februar und unmittelbar danach erinnert werden und ständig neu Angst und Schrecken durchleiden. Es wird noch lange dauern, bis das Leben der Menschen in Chile, einschließlich unserer Schwestern, wieder in „normalen“ Bahnen verläuft. Im Jahr 2009 hatte ich Ihnen von den Erdbebenfolgen in L’Aquila geschrieben, ein Blick ins Internet zeigt, dass auch dort noch lange nicht wieder „normaler Alltag“ eingetreten ist. Die Altstadt von L’Aquila ist fast unverändert ein großes Ruinenfeld, und tausende von Menschen können noch nicht wieder oder möglicherweise nie mehr in ihre Stadt beziehungsweise in ihre Häuser zurückkehren. Was gibt es aus dem Generalat zu berichten? Am 15. April feierten wir gemeinsam mit den gerade aus Nordamerika zum Erneuerungskurs angereisten Schwestern (sechs aus der NA Östlichen und zwei aus der NA Westlichen Provinz) und den Schwestern vom Campo Santo den 25. Jahrestag der Seligsprechung Mutter Paulines. Wenige Tage später stand bereits der nächste Feiertag an: Schwester Adalbertas Namenstag am 23. April. Den staatlichen Feiertag am 25. April erwarten wir Deutschen in Rom mit etwas „gemischten Gefühlen“. In Italien wird an diesem Datum der Kapitulation der Wehrmacht und der Befreiung von der Besatzungsmacht des nationalsozialistischen Deutschlands im Zweiten Weltkrieg gedacht. In manchen Regionen ist es immer noch tunlich, sich an diesem Tag nicht zu lautstark als Deutscher zu „outen“… Erstmalig in diesem Jahr haben wir am 30. April, am Gedenktag Mutter Paulines, unsere „Amici“ eingeladen. Gut zwanzig „Laien“ kamen zur Vesper zu Ehren unserer Stifterin und zu einem informativen Gespräch, dem sich ein Pizza-Abendessen anschloss. Achtzehn Bleche mit Pizza hatte Schwester Clarentia gebacken und es gab nicht viel Reste… Auch im Mai blieb unser Konvent in Bewegung. Um an der Oberinnenkonferenz teilzunehmen, flog Schwester Cecilia am 5. Mai nach Paderborn. Während von Paderborn aus die Nordamerikanischen Schwestern nach dem „deutschen Teil“ ihrer Erneuerungszeit die Heimreise antraten, kamen am 8. Mai vier Erneuerungsschwestern aus Südamerika im Generalat an. Schwester DeSales kehrte am gleichen Tag aus Deutschland nach Rom zurück. Wenige Tage später reiste Schwester Adalberta nach Paderborn, um im Mutterhaus und in Thülen die Kurse: „Spiritualität des Loslassens“ zu halten. Am 12. Mai nahmen Schwester Cecilia und ich an einem Studientag zum Thema „Religionsfreiheit ein Menschenrecht im Wandel?“ teil. Eingeladen hatte das Päpstliche Institut „Santa Maria dell’Anima“ in Rom in Zusammenarbeit mit den drei Päpstlichen Universitäten Gregoriana, Lateran und Santa Croce. Das nicht rechtskräftige „Kreuz-Urteil“ des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) hatte den Anlass dafür gegeben. Im Mittelpunkt des Studientages standen neben einer intensiven Beschäftigung mit dem „Kruzifix-Urteil“ des EGMR auch grundlegende Fragen nach der europäischen Rechtsprechung zur Religionsfreiheit und der Stellung der Menschenrechte innerhalb der Rechtsordnung. Es waren hochinteressante Erörterungen, wenn auch nicht immer leicht zu folgen. Leider war die Veranstaltung nur spärlich besucht. Nachdem sich das Wetter eine Zeitlang unverhältnismäßig regnerisch und kühl gezeigt hatte, trübte während des Ausflugs der deutschsprachigen Schwestern am 18. Mai buchstäblich kein Wölkchen den Himmel. Weit über 30 Schwestern aus verschiedenen Kongregationen aus und um Rom hatten sich angemeldet. Die Fahrt ging Richtung Süden zunächst zur Zisterzienserabtei Casamari, wo wir um 8.30 Uhr mit einer heiligen Messe begannen. Die Morgensonne, die durch die Alabasterfenster schien, tauchte das gesamte Innere der Kirche in goldenes Licht es war ein faszinierender Anblick. Der Abt selbst führte uns im Anschluss an die Messe durch die Kirche und das Abteigebäude. Ein weiteres „Highlight“ auf der Fahrt war die ehemalige Karthause von Trisulti, heute bewohnt von einem kleinen Zisterzienserkonvent. Völlig unerwartet, ungeplant, gab uns dort ein über 80-jähriger Pater eine höchst informative, mit viel Humor gewürzte Führung. In Anagni, der alten Papststadt, bewunderten wir im Dom die vollständig mit Fresken ausgemalte Krypta. Schwester Maria Immaculata, Schwester Cecilia und Schwester Mariana aus dem Campo folgten einer Einladung mit den Assoziierten Laien nach Turin, wo sie im Dom das für kurze Zeit ausgestellte Grabtuch besuchten. Der Gottesdienst und das stille Verweilen vor dem Grabtuch beeindruckten die Teilnehmer sehr. Am 25. Mai feierte Argentinien den 200. Jahrestag seiner Unabhängigkeit vom spanischen Königreich. Für die südamerikanische Erneuerungsgruppe mit Schwester María del Rosario war es der Reisetag nach Deutschland. So blieb im Generalat keine Zeit, um dieses Gedenken gebührend zu begehen. Auch im Juni setzte sich im Generalat das Kommen und Gehen fort. Gemeinsam hatten sich am 1. Juni Schwester Maria Michaela und Schwester Aloysima auf den Weg nach Rom gemacht. Während Schwester Aloysima ihre Bleibe im Campo fand, konnten wir Schwester Maria Michaela zu einem zweiwöchigen Ferienaufenthalt in der „Villa“ begrüßen. Viele ihrer ehemaligen Schüler und Schülerinnen, der Eltern, der „Amici“ und sonstige Bekannte aus ihrer „römischen“ Zeit nutzten die Gelegenheit für ein Wiedersehen und ebenso, um ihren 80. Geburtstag nachzufeiern. Am 2. Juni reiste ich nach Deutschland, um an Exerzitien und dann mit Schwester Anna an der Jahresversammlung der Deutschen Ordensobernkonferenz in Vallendar teilzunehmen. Aus aktuellem Anlass stand die Versammlung weitgehend unter dem Thema: Sexueller Missbrauch und Gewalt in kirchlichen Einrichtungen. Kein „schönes“ Thema, aber dadurch, dass es von kompetenten Referenten gut, sachlich und umfassend vorgestellt wurde, entstand ein wesentlich klareres, objektiveres Bild. Zu den Referenten gehörten unter anderem Bischof Ackermann, Frau Hardt-Becker von „Innocence in Danger“, die Rechtsanwältin Frau Raue, der Psychiater Dr. Lütz… Mich selbst beeindruckte am meisten der Vortrag von Frau Hardt-Becker, die aus der Sicht der Betroffenen sehr bewegend über die Situation und die Erfahrungen kindlicher Missbrauchsopfer (nicht nur im kirchlichen Raum) sprach. Gerade gut zwei Wochen war Schwester Adalberta in Rom, dann startete sie Mitte Juni zu einer Kurzreise nach Wilmette, um am Schwesterntreffen teilzunehmen und mit den Jubilarinnen, zu denen ja auch Schwester Judith gehört, Jubiläum zu feiern. Schwester Judith, die nun schon einige Monate in ihrer Heimatprovinz zubringt, kommt voraussichtlich Ende Oktober nach Rom zurück. Dann wollen wir im Generalat ebenfalls nach Gebühr ihr 65-jähriges Ordensjubiläum feiern. Auch bei uns machte sich mehr und mehr Fußballbegeisterung breit. Da gerade gegen Ende der Weltmeisterschaft Mannschaften gegeneinander antraten, deren Nationalitäten auch im Generalat vertreten sind, wurde es natürlich besonders spannend. Wir gönnten uns zwar gegenseitig den Sieg, aber trotzdem „fieberte“ jede Schwester für „ihre“ Mannschaft. Zwei Tage nach ihrer Rückkehr von Wilmette machte sich Schwester Adalberta am 28. Juni erneut auf den Weg, um dieses Mal zuerst in Paderborn mit den zwei nordamerikanischen und der chilenischen Schwester das Terziat zu beginnen. Am 13. Juli trafen die drei Schwestern mit Schwester Adalberta und Schwester Cecilia, die Ferien in Deutschland gemacht hatte, in Rom ein. Vorher war bereits Schwester Joann Marie Aumand (aus der N.A. Östlichen Provinz) angereist, um in Rom die weitere Leitung des Terziats zu übernehmen. Da Schwester Cecilia an diesem Tag Geburtstag hatte, hatten die „Assoziierten“ für sie auf der Dachterrasse unseres Hauses einen Grillabend organisiert, zu dem alle Schwestern eingeladen waren, auch die Terziatsgruppe. Inzwischen geht die Zeit des Terziats bereits ihrem Ende zu, aber ich glaube, es war für uns alle eine Bereicherung, die jungen Schwestern zu erleben und auch einiges mit ihnen gemeinsam tun zu dürfen. Jede Schwester der Generalleitung hatte einen Themenbereich übernommen, den sie mit den Schwestern in sehr unterschiedlicher Weise bearbeitete. Mein Thema war „Gebetsleben“, und wir haben es vorwiegend „praktisch“ umgesetzt, unter anderem mit einer kreativen Bibelarbeit. Auch in Rom haben wir in angemessener Weise „Libori“ gefeiert. Ein ausgedehntes Abendessen auf der Terrasse und ein anschließendes „Pfauenwettrennen“ (ein von Schwester De Sales passend zum Anlass erfundenes Spiel) haben uns viel Spaß bereitet. Weniger Spaß bereitet es uns, dass jemand von der Stadtreinigung mit seinem Lastwagen einen Mauerpfeiler unserer Toreinfahrt schwer ramponiert hat. Seitdem können wir das Tor nicht mehr öffnen oder schließen und somit auch unser Auto nicht mehr benutzen. Der Pfeiler ist jetzt erst einmal mit einem Schutzgerüst versehen und gesichert. Gemauert werden darf aber erst, wenn alle bürokratischen Dinge geregelt sind. Schwierig ist die Situation, weil im August ziemlich alle Büros schließen und sich die Bearbeitung der Angelegenheit auch dadurch länger hinziehen kann. Dass Rektor Gatz nach 35 Jahren die Leitung des Campo Santo und des dazugehörigen deutschen Kollegs in andere Hände legt, haben Sie vermutlich schon erfahren. Sein Nachfolger wird der Freiburger Diözesanpriester Hans-Peter Fischer. Die Amtsübergabe findet am 8. Dezember statt. Anfang August gibt es noch einmal eine ganze Reihe Aufbrüche: Schwester Adalberta und Schwester De Sales reisen am 2. August für fast drei Monate nach Mendham und in die N.A. Östliche Provinz, Schwester Angela kehrt am 5. nach Chile zurück, am 6. fliegen dann die beiden nordamerikanischen Terziatsschwestern und Schwester Joann Marie in ihre N.A. Östliche Provinz zurück und am gleichen Tag verlässt uns Schwester Clarentia, um bei ihren Geschwistern Ferien zu machen. In der zweiten Augusthälfte komme auch ich nach Deutschland, dann treffe ich zumindest einige von Ihnen in Paderborn oder anderswo. Mit guten Wünschen, Ihnen allen im Gebet verbunden Ihre S. Angelika |